Der Live-Action Film Street Fighter: Assassin's Fist basiert auf der bekannten Beat-’em-up-Videospielreihe Street Fighter von Capcom. Ursprünglich als 12-teilige Live-Action Web TV-Serie von Joey Ansah und Christian Howard produziert, startete Street Fighter: Assassin's Fist am 23. Mai 2014 auf der YouTube Video Plattform unter Machinima. Seit dem 29. August 2014 ist das Projekt, zusammengefasst in einem Film, auf DVD sowie Blu-ray bei Polyband erhältlich.
Der Amerikaner Ken Masters und der Japaner Ryu Hoshi trainieren seit Kindheitstagen tief in den japanischen Wäldern bei ihrem Meister Gouken, um die Perfektion der Kampfsportart Ansatsuken zu erreichen. Beide werden in dessen längst vergessenen Kampfstil unterrichtet, der auf die gesammelte Chi-Energie aufbaut. Dadurch ist es ihnen möglich, ungeahnte Kräfte freizusetzen und mit ihrem Chi einen Energiestrom namens Hadou zu erzeugen. Mit dieser großen Kraft ist jedoch auch eine große Verantwortung verbunden.

Während ihres harten Trainings, lernen die Zwei immer mehr die geheimnisvolle Vergangenheit ihres Meisters Gouken kennen. Gouken und sein Bruder Gouki wurden einst von ihrem Meister Goutetsu unterrichtet. Sie galten als eine der letzten Schüler der Kampftechnik Ansatsuken. Neben der Erlernung des Hadou gibt es auch eine verbotene, dunkle Technik und zwar das dunkle Hadou. Dadurch erhält der Anwender große Kraft, jedoch auch den Drang zu töten. Gouki wurde immer mehr von dem Drang des dunklen Hadou besessen und wendete letztendlich die verbotene Technik an.

Ken und Ryu werden schon bald mit dem dunklen Hadou und dem wahren Dämon aus der vergangenen Zeit konfrontiert. Besonders Ryu verbindet ein gewisses Band zur Dunkelheit. Können die Zwei das wohl unausweichliche Schicksal doch noch umgehen und den Drang zur Dunkelheit bezwingen?

Meinung von MT:

Lange ist es her, als damals im Jahr 1987 die Beat-’em-up-Videospielreihe Street Fighter von Capcom ihre Premiere feierte. Viele Jahre sind seither vergangen und Street Fighter hat sich zu eines der erfolgreichsten Beat-’em-up Games in der großen Spielewelt etabliert. Das Franchise wuchs schnell enorm an und es folgten unzählig Fortsetzungen und Spin-offs auf den unterschiedlichsten Konsolen, Handhelds oder PC. Nach der Eroberung des Spielemarktes, folgten die ersten Schritte in Richtung Anime und Live-Action/Realfilm Adaptionen.

Street Fighter II – The Animated Movie erschien erstmals im Jahr 1994 als Anime Adaption in Japan unter der Führung von Group TAC. Noch im gleichen Jahr folgte eine Hollywood Produktion namens Street Fighter: The Movie (Street Fighter – Die entscheidende Schlacht) mit dem Martial Arts Star Jean-Claude Van Damme und Kylie Minogue. Hollywood-typisch gab es bei diesem Film nur wenig Bezug zur Videospielreihe. Immerhin kamen die wichtigsten Charaktere wie Bison, Ken Masters oder Ryu Hoshi vor.

Nach dem ersten Realfilm kam erneut eine Hollywood Produktion 2009 in die US-amerikanischen Kinos. Diesmal schlüpfte Kristin Kreuk in die Rolle von Chun-Li im Film Street Fighter: The Legend of Chun-Li (Street Fighter – Die Legende von Chun-Li). Leider wurde auch dieser Film, der sich nur auf die Geschichte von Chun-Li konzentriert, von den Kritikern stark bemängelt. Somit sind alle bisherigen Realfilme kaum gelungen und überzeugten nur wenige. Kann daher ein dritter Film die damaligen Misserfolge der Vergangenheit vergessen lassen?

Ursprünglich als Live-Action Web TV-Serie produziert, startete Street Fighter: Assassin's Fist am 23. Mai 2014 auf der YouTube Video Plattform unter Machinima. Auf ausgelaugte Regisseure und bekannte Darsteller, die sowieso keinen Bezug zu Street Fighter haben, wurde verzichtet. Stattdessen kommt das Werk von den zwei Newcomern Joey Ansah und Christian Howard. Die zwei Kampfsportkünstler sind große Fans von Street Fighter und veröffentlichten bereits 2010 den Kurzfilm Street Fighter: Legacy. Auf der Comic-Con 2012 in San Diego wurde von den Seiten des offiziellen Herstellers Capcom die Zusage für ein neues Projekt bekannt gegeben. Street Fighter: Assassin's Fist wurde geboren.

Neben Joey Ansah und Christian Howard, die nicht nur schauspielern, ihre Choreografie planen und selbst Regie führen, stammt die Musik von Patrick Gill. Der Engländer Christian Howard schlüpfte selbst in die Rolle von Ken Masters. Für Ryu Hoshi wurde der Koreaner Mike Moh mit an Bord geholt. Dieser konnte sich bereits schauspielerische Erfahrungen im Jackie Chan Film Robin-B-Hood sichern. In Street Fighter: Assassin's Fist liegt der Fokus erstmals auf die zwei Kampfsportler Ken sowie Ryu, wie sie gemeinsam bei ihrem Meister Gouken trainieren. Dabei entdecken sie nicht nur das Gute, sondern auch die Geheimnisse der dunklen Künste.

Die Web TV-Serie umfasst insgesamt 12 Episoden mit je 11-12 Minuten und erhielt eine durchwegs positive Fan-Resonanz. Nach der Veröffentlichung auf YouTube wurde das Projekt in 6 Episoden zu je 21–22 Minuten zusammengefasst und im amerikanischen TV ausgestrahlt. Am 29. August 2014 folgte eine DVD sowie Blu-ray Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum durch Polyband. Hier wurden alle Episoden zu einem Film zusammengefügt und mit einer deutschen Synchronisation ausgestattet.

Der Film protzt mit seinen sauberen Kampfchoreographien und dem engen Bezug zur Videospielreihe von Capcom. Auch wenn die schauspielerischen Fähigkeiten der Mitwirkenden nicht immer das Gelbe vom Ei sind, so sind die packenden Kämpfe unserer Darsteller hin und wieder atemberaubend. Die Kämpfe wirken keinesfalls unrealistisch, auch wenn das Hadouken (Die gesammelte Kraft des Chi, die einen Energieball erzeugt) oder das Shoryuken (Uppercut in der Verbindung mit einem hohen Sprung) mit etwas CGI verfeinert wurde.

Street Fighter: Assassin's Fist ist keine typische Hollywood Produktion. Also ist der Film nur für Hardcore Fans der Street Fighter Serie? Ich finde nicht! Die Darsteller Christian Howard als Ken und Mike Moh als Ryu machen ihre Aufgabe unglaublich gut. Das Setting greift vorweg auf abgelegene Orte und ganz klassisch-japanische Häuser zurück. Dort, fernab der turbulenten Städte, ergibt sich eine grüne Pracht aus Wäldern und Flüssen.

Wie man es aus Capcoms Original kennt, passt das Setting wie die Faust aufs Auge. Die Kamerafahrten gehen gut von der Hand und wirken nicht zu überhastig. So verliert man gerade in den Kämpfen nie den Überblick. Bei einigen Schnitten merkt man zum Teil den plötzlichen Szenen-Wechsel. Gerade die Sprünge in Meister Goukens Vergangenheit sind etwas verwirrend.

Die Handlung orientiert sich sehr nahe an Capcoms Werk und gibt den wichtigen Charakteren genügend Zeit zum Entfalten. Mit einer Laufzeit von ~146 Minuten hat man hier auch genügend Zeit. Auf mich wirkte der Beginn etwas zäh und die teils attraktiven Szenen lassen auf sich zu lange warten. Trotz allem ist der Einstieg für jene, die Street Fighter nicht kennen, optimal. Es wird alles bis ins kleinste Detail erklärt.

Die Story ist ab der ersten Eingewöhnungszeit sehr interessant und hält sein Limit bis zum Schluss. Street Fighter: Assassin's Fist schafft es auch, sich vom typischen Ruf eines Martial Arts Filmes abzuheben. Die Kämpfe sind nicht stumpf aneinandergereiht, sondern passen sich der Handlung an. Dabei ist die Kampfchoreographie ein Genuss für alle Martial Arts Fans. Ein besonderes Highlight für mich ist u.a. der erste Kampf zwischen Ken und Ryu.

Die deutsche Sprachausgabe ist für meinen Geschmack sehr gelungen. Auch wenn die vereinzelten Sprecher durchaus mehr Emotionen in ihre Stimme stecken könnten. Eine sehr gute Arbeit leistet Florian Hoffmann, der dem Charakter Ken seine Stimme leiht. Neben der deutschen Sprache, gibt es noch die englische Version mit zuschaltbarem deutschem Untertitel.

Der Ton ist dabei immer in DTS-HD 5.1. Das Bild 16:9 - 1.77:1 ist für die Standard Qualität einer DVD sehr gut. Die Farben sind nicht zu sehr verwaschen. Einzig, die regnerischen Szenen in der Nacht sind für meinen Geschmack zu dunkel. Die Blu-ray Ausgabe 16:9 - 2.40:1 schraubt die Bildqualität noch um einiges höher. Da man für ein deutlich besseres Bild nur 3€ auf Amazon draufzahlen muss, tendiere ich eher zur Blu-ray Version.

Beim Bonusmaterial der DVD sowie Blu-ray wird auch nicht gegeizt. So findet man u.a. ein Videotagebuch von Christian Howard, ein Making of Video "Behind the Scenes", Regisseur-Kommentare, vier gestrichene Szenen, witzige Outtakes, Trailer und einen exklusiven Epilog. Die restliche Verarbeitung von Polyband ist sehr gut gelungen. Das Cover mit Gouken, Ryu und Ken spricht mich sehr an.

Capcom entwickelte für ihr Werk Street Fighter eine recht stolze Anzahl an Charakteren. Street Fighter: Assassin's Fist beschränkt sich dabei auf die Kämpfer wie Ryu, Ken, ihren Meister Gouken, dessen Meister Goutetsu und natürlich Gouki bzw. Akuma. Aktuell wird an einem zweiten Projekt mit dem Namen Street Fighter: World Warrior gearbeitet. In der neuen Live-Action-Serie, die ebenfalls auf der Comic-Con für Ende 2015 / Anfang 2016 angekündigt wurde, wird die kriminelle Organisation Shadaloo eingeführt mit dem Bösewicht M. Bison, Guile, Sagat und Chun-Li.

Fazit: Wer hier eine typische Hollywood Blockbuster Kost, die mit ihren überhäuften CGI Effekten nur stupide um sich werfen und bekannten Schauspieler Promis, mit ihren zig Stuntmans und Doubles erwartet, der wird schnell eines Besseren belehrt. Street Fighter: Assassin's Fist setzt sich von der Mainstream Masse ab und bietet gerade für passionierte Street Fighter Fans eine Realfilm Adaption, die man sich schon lange gewünscht hat. Mit einem Spott Preis auf Amazon von ~10€ für die DVD und ~13€ für die Blu-ray wird man hier bestens unterhalten. Für alle Street Fighter / Martial Arts Fans und jene, die Deutsch gegenüber dem Englischen bevorzugen, ein absoluter Pflichtkauf.

Vielen, lieben Dank an Polyband für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!