Das Drama Ruinenmärchen (jap.: 廃墟少女, Haikyo Shoujo) stammt von der Zeichnerin Tsukiji Nao und ist ein Einzelband, der vier Kurzgeschichten enthält. In Japan wurde der Manga im Manga Magazin Aria vom Verlag Kodansha im Jahr 2012 veröffentlicht und ist seit Januar 2014 beim deutschen Verlag Egmont Manga erhältlich. Tsukiji Nao ist bei Egmont Manga bereits bekannt, durch ihre Werken wie Adekan oder Golden Tales (Kiniro Kishi).
Im neuen Einzelband von Tsukiji Nao dreht sich alles nur um eines – Ruinen. Wahrheiten in Ruinen, Musik in Ruinen, Kommoden in Ruinen und Hutmacher in Ruinen. In vier wunderschön gestalteten Kurzgeschichten wird man in unterschiedlichste Epochen, Fantasien und Märchen gezogen.

Doch viel mehr als die Geschichten zieht einem der unglaublich detailreiche und schöne Zeichenstil in den Bann. Leider haben die Charaktere zu wenig Zeit sich voll zu entfalten. Doch betrachten wir die Geschichten am besten separat – so wie eigentlich jede von Ihnen einen eigenen Manga erhalten hätte sollen.

Kazeko ist eine normale Schülerin, die schon jung schreckliches Erlebt hat. Vor drei Jahren wurde sie in einer Ruine festgehalten und erst fünf Tage später gelang ihr die Flucht. Traumatisiert von diesem Vorfall hat sie alles vergessen, bis auf eines: Ein Mann hatte sie in der Ruine eingesperrt. Der Täter wurde nie gefasst. Als Kazeko plötzlich wieder in derselben Ruine zu Bewusstsein kommt, nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf. Eine wilde, gefährliche Jagd nach ihren verdrängten Erinnerungen und der Wahrheit beginnt.

In der zweiten Geschichte von Ruinenmärchen zeigt Tsukiji dann wirklich, wie viel Schönes in ihrer Feder steckt. Der Detailreichtum in ihren Zeichnungen fällt hier besonders auf.

Herr Sumida ist Lehrer an einer Musikschule und hat eine ganz besondere Fähigkeit. Bei schöner Musik kann Sumida Engel, Meerjungfrauen und andere wunderschöne Dinge sehen. Leider ist das bei seiner eigenen Musik nicht der Fall. Seine Kompositionen hetzen ihm wilde Dämonen auf den Hals. Von Schülern und Kollegen bereits als verrückt abgestempelt, begibt sich Sumida also auf die Suche nach dem jungen Mann, der ihm diesen Fluch auferlegt hat. Den jungen Mann findet er, aber er entdeckt auch noch etwas anderes. In einer Ruine findet er seine alte Orgel, seine eigene Erfindung. Damit beginnt für ihn die Suche nach sich selbst.

"Das Mädchen in der Kommode" ist Märchen Nummer drei. Toru, der Zwillingsbruder eines jungen Arztes, wird auf offener Straße von einem hübschen Mädchen angesprochen. Kozue ist eine Patientin seines Bruders und verwechselt Toru mit ihm. Sie weiß nicht, dass der junge Arzt, vor nicht allzu langer Zeit, an einer schweren Krankheit gestorben ist. Er wurde tot in einer Kommode, mit einem blauen Schal um seine Augen, aufgefunden.

Als das Mädchen eben diese Kommode und den Schal erwähnt, obwohl sie nichts vom Ableben des Arztes weiß, gibt sich Toru als dessen Bruder aus um mehr zu erfahren. Kozue bringt ihn dann zu sich nach Hause, in eine alte Ruine, wo Toru hinter die Krankheit des Mädchens kommt: Sie hat Wahnvorstellungen und fühlt sich nur in ihrer Kommode wohl. Was weiß das junge Mädchen alles über seinen Bruder? Wieso hat er sie kostenlos behandelt? Wieso weiß das Mädchen über den Schal und die Kommode Bescheid? Toru ist fest entschlossen, die Wahrheit herauszufinden.

Die letzte Geschichte handelt von einem jungen, geldgierigen Mann namens Toma. Er ist Hutmacher und zwar einer der besten des Landes. Natürlich verlangt er dementsprechend für seine Hüte und wird nur von Adeligen besucht. Als er dann eines Tages den Auftrag bekommt, einen Hut für den König zu machen, packt er natürlich sofort seine Sachen und macht sich mit seiner Assistentin Dolcile auf den Weg.

Königlicher Hutmacher, ja, das wäre sein Traum. Doch in Erinnerungen von seiner Mutter schwelgend, verfährt sich Toma und landet bei einer alten Ruine. Diese ist aber mehr als sie zu seien scheint. Es handelt sich um die "Unendliche Ruine" und wer diese betritt, so die Sage, mit dem ist es dann bald aus. Tatsächlich ist die Ruine eine Geisterwelt und um sie zu verlassen muss der Hutmacher eine alte Tradition, die von seiner Mutter gepflegt wurde, wieder aufnehmen. Er soll Hüte für die Toten machen, damit diese in Frieden ruhen können. Toma tritt also in die Fußstapfen seiner Mutter und macht dabei eine erstaunliche Wandlung durch.

Meinung von Dragonsword:

Ruinenmärchen ist ein sehr anspruchsvoller Manga. Spaßige Einlagen findet man sehr selten und wenn doch, passen sie oft nicht so wirklich. Doch wenn man den Manga aufmerksam liest, findet man sich vielleicht in einer der Geschichten selbst wieder.

Was dieses Werk von Tsukiji jedoch wirklich bemerkenswert macht, sind die Zeichnungen. Die Details und die Liebe mit der manche Seiten gestaltet sind weichen stark vom herkömmlichen ab. Trotzdem sind die vier Geschichten einfach zu kurz. Sie fesseln zwar, aber eine richtige Tiefe vermisst man.

FAZIT: Ich kann den Manga jedem empfehlen, der kurze Geschichten mag und auf das Gezeichnete sehr viel Wert legt.

Vielen, lieben Dank an Egmont Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!