Der Begriff Manga stammt aus dem 19. Jahrhundert, als der berühmte ukiyoe-Künstler Hokusai die beiden kanji (aus dem Chinesischen übernommene Schriftzeichen mit Wort- und Sinnbedeutung) für "spontan" [man] und "Bild" [ga] zum Titel seiner Skizzenblätter machte. Die Kunst, Geschichten in kurzen, aufeinander folgenden Einheiten zu erzählen, reicht in Japan aber noch einige Jahrhunderte weiter zurück. Für die gebildete Oberschicht entwickelt, waren Mangas zunächst eine sehr exklusive Kunstform.

Im 18. Jahrhundert fanden die bebilderten Lesehefte auch in der Mittelschicht weite Verbreitung und machten so den Weg frei für den folgenden Massenkonsum. Diese Holzblockdrucke wiesen bereits viele Züge der modernen Mangas des 20. Jahrhunderts auf. Nach der Meiji-Restauration Ende des 19. Jahrhunderts öffnete Japan seine Häfen und seine Kultur dem Ausland, der Westen begann einen starken Einfluss auf japanische Technologie, Kultur und Lebensweise auszuüben.

Zu diesem Zeitpunkt glichen sich Mangas in Wirkung und Stil den westlichen Comics und Karikaturen an, während allmählich eine neue Form als Mischung aus westlichen und japanischen Einflüssen entstand. Hier liegen zwar die Ursprünge des modernen Manga, der endgültige Durchbruch sollte aber erst mit Osamu Tezukas Werken erfolgen.

Vor 1950 geborene Leser wandten sich meist in der Mittelschule von Mangas ab, da diese als Kinderunterhaltung galten. Tezuka entwickelte einen sehr viel dynamischeren Zeichenstil mit Nahaufnahmen, Perspektiven- und Einstellungswechseln sowie kinematographischen Techniken aus deutschen und französischen Filmen dieser Zeit.

Frühere Comics hatten sich auf ein zweidimensionales Grundschema beschränkt, ähnlich einem Theaterstück, bei dem die Schauspieler von links oder rechts auf die Bühne kommen. Tezukas Debüt 1947 mit "New Treasure Island" markierte einen Wendepunkt. Der neue Stil faszinierte unmengen von neuen Lesern, die diesem Medium auch als Erwachsene treu blieben.

Seitdem nahm das Phänomen Manga immer größere Dimensionen an und entwickelte sich auch jetzt noch in immer neue Richtungen. Die meisten Mangas werden auch heute noch schwarz-weiß auf billigstem Papier gedruckt, die einzelnen Folgen der verschiedenen Serien ergeben dabei ein dickes Buch, das in einigen Stunden ausgelesen werden kann. Diese Magazine werden dann mehrfach gelesen, in Zug und U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule, und anschließend weggeworfen.

Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass ein neuer Fahrgast das Abteil betritt, einen zurückgelassenen Manga aufhebt und diesen dann zu Ende liest. Mehrfarbige Ausgaben oder Sondereditionen dagegen werden nach dem Lesen nicht entsorgt. Es handelt sich dabei oft um großformatige Hardcover-Editionen, die in privaten Sammlungen sorgsam auf-bewahrt werden.